Gedanken zum Predigttext des Sonntages

Sonntag 29.03.2020

Gedanken zu den Konfirmationssprüchen unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden

"Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist. Und alles Gute steht hier still. Und dass das Wort, das du mir heute gibst, morgen genauso gilt."
Es ist schon ein ganze Weile her, dass die Band "Silbermond" das Lied "Irgendwas bleibt" herausgebracht hat. Doch der Wunsch nach Beständigkeit, nach Sicherheit, nach Geborgenheit, der bleibt wohl zu allen Zeiten aktuell.
Der Konfirmationsspruch ist etwas Bleibendes: Ein Vers aus der Bibel, der durchs Leben begleitet. Ein gutes Wort für den Lebensweg.

Vielen evangelische Christinnen und Christen ist ihr Konfirmationsspruch sehr wichtig. Bei manchen hängt er in der Wohnung: extra in Schönschrift geschrieben oder auf der Konfirmationsurkunde; andere haben ihn - im Gesangbuch eingeklebt - griffbereit. Ich habe es immer wieder erlebt, dass ältere Menschen mir davon erzählt haben, wie ihr Konfirmationsspruch sie begleitet hat - wie ein roter Faden, an dem sie sich festhalten und Orientierung für ihr Leben finden konnten.

Früher wurden den Konfirmandinnen und Konfirmanden der Spruch bei der Konfirmation überreicht. Heute wählen sie selbst für sich einen aus.

Am Sonntag, den 29. März wollten wir eigentlich mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihren Familien und der Gemeinde den Vorstellungsgottesdienst feiern.
Mittelpunkt dieses Gottesdienstes sollten die Auslegungen der Konfirmationssprüche durch die Konfirmandinnen und Konfirmanden sein.
Im Konfirmationsunterricht hatten sie sich mit den Fragen beschäftigt: "Was bedeutet mir mein Konfirmationsspruch? Warum habe ich mir gerade diesen Spruch herausgesucht? Was sagt er mir über Gott? Wozu soll er mich in meinem Leben ermutigen? Worauf möchte ich vertrauen?"
Ihre Gedanken haben sie aufgeschrieben. Da die Konfirmandinnen und Konfirmanden diese nun aber nicht selbst vorlesen und zu Gehör bringen können, haben wir beschlossen, sie dennoch zugänglich zu machen: In der Ordenskirche sind die Auslegungen auf Stellwänden ausgehängt. Ebenso die vorbereiteten Gebete. So können wir - auch wenn wir nicht miteinander Gottesdienst feiern können - dennoch Anteil aneinander nehmen.

Vorstellungsgottesdienste sind besondere Gottesdienste: Die Jugendlichen, die in wenigen Wochen Konfirmation feiern, geben Anteil an dem, schenken Einblick in das, woran sie glauben.

Viele der Konfirmandinnen und Konfirmanden haben sich als Konfirmationsspruch ein bestärkendes und ermutigendes Wort Gottes gewählt - so wie z. B. die Worte, die Gott Abraham zugesagt hat: Gott spricht: "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein." (1. Mose 12,2)

Ja, wir wünschen uns, dass besonders in schwierigen Situationen Gott uns zusichert, dass er bei uns ist und bleiben wird. Diese Zusicherung ermutigt uns, dass wir uns auch tatsächlich auf den Weg machen.
Abraham und seine Frau Sarah sind auf Gottes Wort hin losgegangen. Sie haben auf ihrem Lebensweg Schritt für Schritt erfahren, dass Gott zuverlässig ist und ihnen immer wieder geholfen hat.
Der Glaube ist wie ein Gespräch, das nur lebendig sein kann, wenn beide Gesprächspartner etwas sagen. Glaube erwächst aus dem Hören auf die Worte, die uns über Gott gesagt sind. Glaube braucht den Zuspruch Gottes, aber auch unser Tun, unsere Tat. Daran erinnert dieser Konfirmationsspruch, der zum Handeln auffordert: "Lasst uns nicht lieben mit Worten allein, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit!" (1. Johannes 3,18)

"Sag mir, dass das Wort, das du mir heute gibst, morgen genauso gilt."
Gott hat Abraham und Sarah immer wieder neu seinen Segen zugesagt. Und Abraham und Sarah haben es sich sagen lassen - und sie haben die Worte behalten und sie "in ihren Herzen bewegt".
Bleiben und Bedeutung gewinnen kann nur, was immer wieder wiederholt wird, was man sich nahe gehen lässt.

Beim Fest der Konfirmation erinnern wir uns an die Taufe: An Gottes Ja zu uns. An sein Versprechen, bei uns zu sein und zu bleiben.
Die Konfirmation ist die Bekräftigung und die Bestärkung der Taufe: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sagen ihr Ja zu ihrem Taufbund.

In Gesangbuch ist bei den Liedern zur Taufe und Konfirmation ein Satz von Matthias Claudius aufgenommen: "Etwas Festes muss der Mensch haben, daran er zu Anker liege, etwas, das nicht von ihm abhängt, sondern davon er abhängt." (EG S. 402)
Gerade in diesen Zeiten, in denen durch die Corona-Pandemie so vieles ganz anders geworden ist in unserem Alltag, spüre ich in den Worten der Konfirmandinnen und Konfirmanden über ihre Konfirmationssprüche die Kraft des Glaubens, der ermutigt durch solche Krisen Schritt für Schritt zu gehen - im Vertrauen auf Gott, der uns im Blick hat, der uns liebt und segnet - so wie es in einem der Konfirmationssprüchen heißt: "Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit." (Jesaja 41,10)

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Stefanie Kögel