ZUR BESINNUNG

HIMMELFAHRT

„Wir haben uns angewöhnt, am
Ende auf Wiedersehn zu sagen
und nicht Tschüss oder so,
weil wir hoffen natürlich, dass wir
uns alle bald wieder sehen.“


Das sagt ein Künstler, der bei der
Show von Udo Lindenberg mitwirkt.
Dann das letzte Lied von
Udo: „Ich schwöre, liebe Freunde,
wir sehen uns ganz bald wieder“,
gigantische Raketentriebwerke
zünden in einer Combi aus Videoclip
und Pyrotechnik, und Lindenberg
entschwebt in einem Raumanzug
seiner Fangemeinde.
Keine Frage: Mit diesem Akt wird
Sinn gestiftet; es entsteht ein
intensives Gemeinschaftsgefühl.
Wir haben es also mit einer Art
innerweltlicher Religion zu tun.
Und ich staune, wie gegenwärtig
die alte Himmelfahrtsgeschichte
noch ist – ganz ohne den Glauben
an Jesus Christus. Das bringt
mich zum Nachdenken.

Irgendwann wird es ein Abschied
für immer sein. Irgendwann bleibt
nur die Erinnerung. Wenn nun
über manchen Todesanzeigen
steht: „Wer im Gedächtnis seiner
Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist
nur fern, tot ist nur, wer vergessen
wird“ - heißt das, der Verstorbene
ist endgültig tot, wenn kein
Mensch mehr da sein wird, der an
den Verstorbenen denkt? Wollen
wir wirklich so glauben?
Im neutestamentlichen Hebräerbrief
wird Jesus Christus als der
genannt, der die Himmel durchschritten
hat. Und nicht nur die
Himmel. Auch die Hölle und das
Totenreich und alles, was damit
zu tun hat: Brutalität, Gewalt,
Unrecht, Krankheit, Leid. Die
„Fahrt durch die Himmel“ geht
für Jesus nicht nur nach oben,
sondern auch nach unten. Das ist
kein Spiel und keine Show. Was
das für Sie und für mich bedeutet,
liebe Leserinnen und Leser, sagt
ein altes Lied so:

„Ich hang und bleib auch hangen
an Christus als ein Glied;
wo mein Haupt durch ist gangen,
da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
durch Welt, durch Sünd, durch Not,
er reißet durch die Höll,
ich bin stets sein Gesell.“

Ich habe mich bei meiner Kollegin
Irene Mildenberger vergewissert,
die sich mit unserer Liedtradition
besser auskennt als ich: Das Lied
meint wirklich „reißen“ und nicht
„reisen“. Es geht darum, dass uns
Christus, unser „Haupt“, bei seiner
Fahrt durch die Welt und ihre
Abgründe mitnimmt, „mitreißt“,
„herausreißt“ aus dem Tod und
seinen Schrecken. Er vermag das,
weil seine Himmelfahrt als erstes
von ganz oben bis nach ganz unten
geht. Seine Himmelfahrt spart
das Kreuz nicht aus.
Eine gesegnete, hoffnungsfrohe
Oster- und Pfingstzeit!

Ihr Pfarrer
Friedrich Jehnes